Die nächste Erwähnung der Pfarrkirche erhalten wir im Jahre 1569, als die erste Visitation in Sechtem nach dem Trienter Konzil (1563) durchgeführt wurde.

Die Pfarrkirche der hll. Gervasius und Protasius, „ein uraltes Gebäude, dessen felsenfestes Mauerwerk, wenigstens teilweise, aus den Überresten eines zerstörten römischen Bauwerkes gebildet war“, wurde im Jahre 1607 mit Schindeln gedeckt und mit einem hölzernen Turm versehen. Gleichzeitig wurde eine neue Glocke gegossen.

 

Am 27. Juni 1830 schrieb der Kirchenvorstand an den Bürgermeister: „Die hiesige Kirche, vorzüglich aber der im Holzfachwerk erbaute Glockenturm, befinden sich seit langen Jahren in einem so baulosen und gefährlichen Zustande, daß aus Furcht letzterer möge mit der Kirche zusammenstürzen, das Läuten mit allen Glocken nicht mehr stattfinden darf. Der Zustand des Turmes ist in solcher Beschaffenheit, daß uns eine Reparation desselben selbst nicht einmal ausführbar erscheint“.

Bereits am 6. Februar 1841 begannen die Verhandlungen über den Neubau der Pfarrkirche.

(Bild: Grundriss Pfarrkirche.png; Grundriß der alten und neuen Pfarrkirche; Pfarrarchiv einfügen.)

Unter Pastor Schmittmann, der am 23. September 1845 sein Amt als Pfarrer in Sechtem antrat, wurden die Arbeiten zum Neubau der Kirche in Angriff genommen.

 

Am 7. Juli 1848 schrieb Bürgermeister Müller an Landrat Hymmen: „ Nachdem nunmehr der Kirchenbau zu Sechtem vollendet, und die Revision desselben stattgefunden, beehre ich mich Euer Hochwohlgeboren die betreffenden Atteste und Contracte, mit der Bitte gehorsamst vorzulegen, die Revision vornehmen zu wollen“.

 

Nach vollzogener Benediktion fand die Eröffnung für den Öffentlichen Gottesdienst unverzüglich statt. Die feierliche Konsekration erfolgte am 1. ]uni 1852 durch den hochwürdigsten Erzbischof Johannes Kardinal von Geissel. Nach dem Pontifikalamte spendete derselbe den Firmlingen von Sechtem und verschiedener benachbarter Pfarreien, 532 an der Zahl, das hl. Sakrament der Firmung („Kirchl. Anzeiger“ 1852, S. 54).

 

Als Pfarrer Thöt am 16. Juni 1968 seine Pfarrstelle in Sechtem antrat, fand er ein Gotteshaus vor, das sich in einem schlechten baulichen Zustand befand. Die Renovierung durch den Architekten Toni Kleefisch (gest. 22. Oktober 1975), die fast zehn Jahre dauern sollte und vier Bauabschnitte umfaßte, begann im Sommer 1969.

 

I. Bauabschnitt: Rohbau der neuen Sakristei, Sandstrahl - Reinigung und Neuverfugung des Mauerwerkes, Gerüstarbeiten, Steinmetz - und Zimmererarbeiten im Turm.

II. Bauabschnitt: Heizungsanlage, Kirchenbänke, Ghorgestühl, Einrichtung der Sakristei, Kirchenportale, Altar und Sakramentshaus, Kirchendecke, Fußboden, Windfang, Lautsprecheranlage, Aufgang zur Empore, Seitenaltäre.

III. Bauabschnitt: Renovierung des Dachgestühls, Baudichtungs - und Erdarbeiten, Zimmerer und Dachdeckerarbeiten.

IV. Bauabschnitt: Entwässerung und Kanalisation, Außenanlage der Kirche.

 

Es folgten Steinmetz- und Zimmererarbeiten im Turm, da sich ein Mauerriß in Hohe des Glockenstuhls zeigte und der Glockenstuhl selbst reparaturbedürftig war. Während dieser Zeit konnten die Glocken monatelang nicht geläutet werden.

Die Kirchendecke wurde mit neuen Balken abgestützt und das ganze Dachgebälk an einer neuen Balkenkonstruktion aufgehängt. Diese Arbeiten 1972 beendet waren. 

Mit der Orgelrenovierung von April bis einschließlich Juni 1978 fand die 10 jährige Instandsetzung unserer Pfarrkirche ein glückliches Ende

 

Detaillierte Beschreibung der Pfarrkirche

Das west - östlich orientierte Gebäude weist eine klare, seinem Stil entsprechende Baukörpergliederung aus, die durch Formenstrenge und Klarheit gekennzeichnet ist. Der Saalbau mit einer lichten Länge von 47,10 m und einer Breite von 16,60 m ist aus der Grundform eines Rechteckes entwickelt, der in östlicher Richtung zwei Seitenaltäre mit einschließt. An die Ostwand wurde in Verlängerung der Hauptachse, durch einen Scheidbogen vom Langhaus getrennt, der quadratische Chorraum angeordnet, der nach einem zweiten Scheidbogen in einer Apsis mit Halbkreisschluß endet. Der Boden vom Langhaus zu den Seitenaltären, zum Chorraum und zur Apsis wird jeweils um zwei Stufen angehoben.

An das Langhaus, rechts und links neben dem Chorraum, sind in gleicher Achse zwei Räume (Sakristei und Paramentenkammer) angeordnet, jedoch in einer geringeren Höhe als der Saalbau. Der Mauerwerkabschluß bildet mit dem Kaffgesims des Langhauses eine Höhe. Das Kircheninnere erhält sein Licht durch je fünf große, mit abgeschrägten Laibungen in die glatt verputzten Längswände eingeschnittene Fenster und zwei Fenster der gleicher Art und drei Rundfenster in Chorraum und Apsis.

Auf der Westseite des Langhauses befindet sich eine Empore › ebenfalls von zwei kleineren Rundbogenfenstern beleuchtet « von zwölf schlanken, sechseckigen Säulen getragen. Die Brüstung ist durch einfache Felder in Form von Quadraten, jeweils fünf von Säule zu Säule gegliedert. Sie ist durch eine Wendeltreppe im Turmbau erreichbar. Auf der Empore befindet sich die Orgel. 

Die Deckenkonstruktion des Langhauses, des Chorraumes und der Apsis besteht aus Holzbalken, die in Querrichtung stärker ausgebildet sind. Diese werden durch in Längsrichtung gespannte Balken in ihrer statischen Funktion entlastet und bilden gleichgroße einheitliche rechteckige Kassetten. Durch ein umlaufendes farbiges Gesimsband wirkt die Decke als abgeschlossenes Bauteil, das keine optische Verbindung mit den Wänden aufweist. Die Querbalken der Deckenkonstruktion werden jedoch von leicht hervortretenden Säulenkonstruktionen zwischen den Fenstern abgefangen. Die Fenster selbst werden durch Blendbogen betont. An den beiden Längsseiten, als verbindendes Element zwischen den Fenstern, ist ein Kämpfergesims vorhanden.

 

Die äußere Erscheinung der Kirche bietet innerhalb der historisch entstandenen Ordnung der Gesamtanlage ein genau so einheitliches und klares Bild wie die innere Ausstattung und Erscheinung. Der quadratische Turm, um Mauerdicke in das Langhaus eingefügt, erfährt durch umlaufende Gurtgesimse einen dreizonigen Aufbau. Der untere Teil, der Eingangsbereich bzw. Vorraum - Hauptportal des Langhauses ist, erhebt sich bis genau zur Gesimshöhe des Kirchendaches, deutlich erkennbar durch ein umlaufendes, farblich vom Backsteinmauerwerk sich erhebendes Gesimsband.

Den zweiten Teil des Turmes zieren an der Vorderseite nur zwei übereinanderstehende kleine Rundbogenfenster, die eine zusätzliche Umrahmung durch kleine Rundwülste erfahren, während seitlich Rechteckfenster ohne jegliche Betonung in gleicher Anordnung vorhanden sind. Die Fenster des Langhauses, auf einem Kaffgesims stehend, erfahren ihre Betonung durch Blendbogen und Rundwülste, die durch kleine Kapitelle abgefangen werden.

 

lm Glockengeschoß besteht an allen vier Seiten eine Schallöffnung aus zwei gekoppelten Rundbogenfenstern, die auf einem Kaffgesims stehend, durch einen gemeinsamen Blendbogen als Einheit wirken. Die Fenster des Chorraumes und der Apsis weisen Blendbogen auf, die nicht in einem Kaffgesims enden, sondern bis zum Sockel hinunterreichen. Das schiefergedeckte Dach des Langhauses, der Sakristei und der Paramentenkammer, ist als Walmdach ausgebildet. Der Turmhelm wird vom Geviert in ein Achteck überführt. Das Dach des Chorraumes und der Apsis ist kegelförmig ausgebildet.

 

Zusammenfassende Beschreibung der Pfarrkirche:

1122 urkundlich erwähnt, 1846 durch Neubau ersetzt, spätklassizistischer Saalbau aus Backstein mit eingezogenem halbrunden Chor und vorgesetztem Westturm mit Helmdach; Langseiten durch jeweils 5 hohe Rundbogenfenster mit Überfangbogen gegliedert; Eingang im Turm von hohem Blendbogen mit Okulusfenster überfangen; klare kubische Formengliederung; im Innern flache Balkendecke, Wände durch Blendbogengliederung rhythmisiert; nördlich des Chors Sakristeianbau.

Ausstattung: Orgelbühne an der Westseite mit Rokoko-Prospekt (Ende 18. ]h.), Seitenaltäre (von 1836), Hochaltar (bei der Renovierung 1968-1976 entfernt) und Kanzel (von 1875); hinter dem Hochaltar neugotischer Filialaufbau (Sakramentshaus) Mitte 19. Jh. mit gotischer Madonna (um 1340); romanisches Taufbecken aus Trachyt; 2 Holzfiguren; Unterweisung Mariens und des hl Wendelinus (18 Jh); Glasfenster 1899/1901; in der Sakristei sog. Matronenstein

Bedeutend für die Geschichte des Menschen. Erhaltenswert aus künstlerischen, wissenschaftlichen, besonders architektur - und ortsgeschichtlichen sowie städtebaulichen Gründen.

 

Quelle:

Heinz Vorzepf

Sechtemer Dorfchronik

Band 2

Kirche und Schule im Wandel der Zeit 

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